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Von Katja Schönherr am 8. März 2010 um 7.00 Uhr
Kategorien: Reiseliteratur

Der US-Schriftsteller David Foster Wallace nahm sich im September 2008 das Leben. Kein Wunder also, dass die Feuilleton-Öffentlichkeit aufhorchte, als im vergangenen Jahr sein Mammut-Werk “Infinite Jest” endlich auch auf Deutsch erschien – und auf sage und schreibe 1648 Seiten.Foster_Wallace Sie werden seitdem in allerhöchsten, höchsten, mindestens aber in hohen Tönen gelobt. Und so hat es mich also seit Erscheinen der Übersetzung, an welcher der Übersetzer sechs Jahre gearbeitet hat, gereizt, dieses Buch zu lesen.

Aber halst man sich mehr als tausend Seiten eines Autors auf, von dem man noch nie etwas gelesen hat? Nein! Also schaut man erst einmal, was es von demjenigen noch gibt, und so landete ich bei David Foster Wallaces Essay “Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich” und trug das Buch eine Weile in meiner Tasche herum. Foster Wallace beschreibt darin eine siebentägige Luxuskreuzfahrt auf der Karibik. Das “Harper’s Magazine” hatte ihn um eine Reisereportage gebeten; Foster Wallace machte gleich ein ganzes Buch daraus. Schliesslich sieht und erlebt man in sieben Tagen viel auf einem solchen Luxusliner.

“Ich habe Camcorder gesehen, für die man eigentlich einen Kamerawagen gebraucht hätte; (…), und ich habe festgestellt, dass es über zwanzig verschiedene Marken Badelatschen gibt. (…) Ich habe erfahren, dass jenseits von Ultra-ultra-Ultra-marinblau noch eine Steigerung möglich ist. Ich habe während dieser einen Woche mehr gegessen als jemals zuvor in meinem Leben, (…). Ich habe blasslila Hosenanzüge gesehen, Sakkos von menstrualem Rosa, braun-violette Trainingsanzüge und weisse Freizeitschuhe, die ohne Socken getragen wurden.”

Foster Wallaces Darstellung dieses Mikrokosmos “Kreuzfahrtschiff” wimmelt von unterhaltsamen und ironischen Details. Oft wirklich zum Lautloslachen (und also Schämen, wenn man in der Öffentlichkeit liest). Wo es nur geht, nimmt er Schiffspersonal, Mitreisende und das Marketingkauderwelsch, das über einer solchen Reise ausgebreitet ist, auf die Schippe.
Eine Luxuskreuzfahrt bedeutet durchgeplantes Nichtstun und organisierte Unterhaltung – definitiv nichts für David Foster Wallace, der beobachtenden Blickes alles, aber auch alles in Frage stellt. Am Ende weiss er jedenfalls: Das war nichts für mich, und so heisst das Buch im Original auch, ähnlich wie im Deutschen, “A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again”.

Auf gar keinen Fall sollte dieses Buch lesen, wer gerade eine Kreuzfahrt plant oder bereits dabei ist. Denn das könnte den Spass wirklich verderben. Für alle anderen ist es ein umso grösserer. Und ich werde mich nun wohl auch noch dem “Unendlichen Spass” widmen müssen.

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich; übersetzt von Marcus Ingendaay; Wilhelm Goldmann Verlag; CHF 13.90. Die Originalausgabe erschien 1996.

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