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Asien fiebert auch nachts mit
Kategorien: Reiseberichte & Insider, Singapur
Public Viewing in Kuala Lumpur.
Heute Abend ist es wieder so weit. Die Fussball-Weltmeisterschaft geht weiter. Nach zwei Tagen Pause kursieren wieder Emails bei uns im Team, wann und wo das Match heute Abend angeschaut werden soll. Obwohl Singapurs Nationalmannschaft im FIFA-Ranking auf Platz 127 liegt und nicht in Südafrika dabei ist, fiebern erstaunlicherweise viele mit. Um sich alle Spiele ansehen zu können, muss man sich das WM-Paket für rund 60 CHF kaufen (vor vier Jahren kostete es noch 10 CHF). Auch wenn keine WM ist, haben viele Menschen hier Bundesliga, Premier League oder La Liga bei ihrem Kabelanbieter abonniert.
Alle sind hier fussball-verrückt
Die Fussballweltmeisterschaft dominiert auch hier – in Singapur sowie allen anderen Ländern in der Umgebung. Alles wird überall mit Fussball in Verbindung gebracht, sei es die Werbung oder die zwischenmenschlichen Gespräche, und natürlich sind die Zeitungen übervoll mit Hintergrundberichten, Analysen und so weiter und so fort.
Schön ist, dass hier neben vielen ausländischen Bankern und Managern auch die Einheimischen die unterschiedlichsten Teams unterstützen. Die Schweiz ist ja nun schon ein Weilchen aus dem Rennen. Trotzdem macht es Spass, den Fussball im Public Viewing mitzuschauen. Von jeder Mannschaft hat es hier genügend Unterstützer, so dass immer Bombenstimmung herrscht.
Vor zehn Tagen war ich in Kuala Lumpur. Auch hier drehen die Uhren nach südafrikanischer Zeit. Die temporär in “House of Holland” umbenannte Bar ist komplett mit Oranjes gefüllt. Im Restaurant nebenan sitzen Ghanaische Fans, die auf ihr Spiel warten. Am Ende landeten wir in einem irischen Pub. Hier warten Australier auf ihre Chance. Wie in Singapur scheint es hier genügend Ausländer zu geben, die für die Spiele ihres Teams zusammenfinden. Es ist also immer etwas los – auch hier in Südostasien.
Mitten in der Nacht mitfiebern
Die Spiele der Gruppenphase liefen in Südostasien um 19.30, 22.00 und 02.30 Uhr. Seit den Viertelfinals ist es noch ermüdender, da die Entscheidungsspiele dann nur am späten Abend und in der Nacht laufen. Das bedeutet aber nicht, dass man hierbei Europa in irgendeiner Weise hinten nach stehen möchte. Doch wer schaut sich schon ein Spiel morgens um 02.30 Uhr an? Die Antwort: viele. Meine Arbeitskollegen bleiben für Spanien-, England- oder Brazilienspiele selbstverständlich wach.
Obwohl ich mir auch das WM-Packet für unseren Kabelanschluss gekauft habe, schauen wir uns die spannenden Spiele nicht zu Hause an. Unter Leuten schmeckt das Bier deutlich besser. Wir sitzen stets im “Chijmes”. Zwischen den Mauern einer ehemaligen Klosterschule wurde ein riesiges Zelt aufgebaut. Vier, fünf grosse Leinwände müssen es sein, die das Spiel zeigen. Vor vier Jahren schaute ich hier das Finale Frankreich-Italien. Über zweitausend Franzosen sollen es hier im “Chijmes” gewesen sein, schrieben die Zeitungen. Als die Schweiz vor zwei Wochen auf Spanien traf, überwiegte zu meiner Überraschung Rot-Weiss.
Beim Spiel Schweiz-Honduras morgens um 02.30 Uhr war verständlicherweise kein grosses Publikum anwesend – glücklich für uns Schweizer, das Spiel fiel aufs Wochenende, so dass wir am nächsten Tag genüsslich ausschlafen konnten. Wenn das WM-Finale dann stattfinden wird, dann werde ich wohl kaum der erste im Büro sein am Montag morgen. Oder vielleicht doch? Denn schliesslich sind ja alle fussballverrückt.
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